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Die Hormonspirale: Im Fadenkreis der künstlichen Hormone

Über die möglichen Nebenwirkungen eines angeblich nebenwirkungsarmen Verhütungsmittels

Die Hormonspirale –  ein effektives Verhütungsmittel

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Der Wunsch vieler Frauen: Eine sichere Verhütungsmethode. Autor: By Robert McDonald, Wikipedia Commons (B1)

Die Hormonspirale zählt zu den effektiven und gängigen Verhütungsmethoden. Sie gilt als sicherer Ersatz für die Pille bei angeblich geringen Nebenwirkungen und biete zudem weitere Vorteile, so könne die Einnahme wie bei der Pille nicht vergessen werden, die Menstruationsblutung werde geringer oder setze bald ganz aus. Die Belastung mit künstlichen Hormonen sei im Unterschied zu Pille deutlich geringer, so ein überzeugendes Argument und führe zu keiner zusätzlichen Belastung.

Viele Erfahrungen mit Nebenwirkungen von Medikamenten und medizinischen Mitteln werden jedoch erst dann gewonnen, wenn die Mittel schon längst auf dem Markt sind und schon eine breite Zahl an Patienten damit behandelt worden sind. Auch im Fall der Hormonspirale beobachten wir ähnliches: Das Attribut nebenwirkungsarm mag sich auf den Kenntnisstand von vor 20 Jahren beziehen und ist aber aus heutiger Sicht nicht mehr aktuell. In einer Broschüre des Herstellers für Ärzte aus dem Jahr 2008 (1) wurde zum Beispiel in der Rubrik „unerwünschte Begleiterscheinungen“ auf Daten aus einer Publikation von 1994 verwiesen. Auch bei aktuellen Darstellungen im Internet (2) wird unter der Rubrik „Nachteile“ in erster Linie nur auf die Aufklärungskompetenz der Frauenärzte verwiesen.
Um eine umfassende Information über Vor- und Nachteile der Hormonspirale zu bekommen, tauschen sich Frauen im Internet über ihre Erfahrungen mit der Hormonspirale aus. Etwa im Hormonspiralenforum (3) oder etwa auf der Seite des Frauengesundheitszentrums Graz (4).

Im Folgenden wollen wir uns ein Bild von den häufigen Nebenwirkungen machen.

Darum geht’s: Die Nebenwirkungen der Hormonspirale

Die Hormonspirale im Modell.  Autor: Hic et nunc, Wikipedia Commons (B2)

Die Hormonspirale im Modell.
Autor: Hic et nunc, Wikipedia Commons (B2)

Die Hormonspirale (einzig in Deutschland zugelassenes Präparat: Mirena®) kann u. a. folgende Nebenwirkungen verursachen:
Zwischenblutungen, Brustschmerzen (häufig), Unterleibsschmerzen (häufig), Kopfschmerzen ( sehr häufig), Migräne (gelegentlich), Akne (häufig), Gewichtszunahme (häufig), Haarausfall (gelegentlich), Nervosität (häufig), Rückenschmerzen (häufig), depressive Verstimmungen (häufig) und sexuelle Unlust (häufig). (5) (6) (7) (8) (9)
Zu einem Verrutschen oder Ausstoßen der Spirale kommt es bei 5 % der Frauen. Bei Schmerzen im Unterleib kann eine Bauchhöhlen- oder Eileiterschwangerschaft vorliegen, das Risiko für das Auftreten einer solchen wird mit Einsetzen der Hormonspirale erhöht. Es bestehen Hinweise, dass sich möglicherweise bei Frauen, die länger als 2 Jahre levonorgestrelhaltige Spiralen verwenden, die Knochendichte (10) und der Anteil des Körperfettes (11) ändern kann. Auch mögliche Auswirkungen auf den Haushalt der Schilddrüsenhormone und des Kortisols wurden beschrieben. (12)

Gefährlich wird es, wenn die eingesetzte Spirale nicht an ihrem Platz bleibt und zu wandern beginnt. Die Arzneimittelkomission der deutschen Ärzteschaft warnte schon 2002 (13) vor dem Risiko einer Uterusperforation durch die Spirale, bei der diese die Uteruswand durchstößt und schwerwiegende Reaktionen, die intensivmedizinisch behandelt werden müssen, hervorrufen kann. Die Nebenwirkung der Uterusperforation wird als selten angegeben, das heißt sie kann bei 1 bis 10 Anwenderinnen von 10.000 auftreten. (8)

2009 beschäftigte sich die Arzneimittelkommission erneut mit Mirena®, da sich die erhobenen psychischen Erkrankungen, die in Zusammenhang mit Mirena® gebracht werden konnten, häuften. (14) Dazu zählen: Depressive Verstimmungen, Panikattacken und Angst, Schlafstörungen und nervöse Unruhe. Im gleichen Zug wird Ärzten empfohlen bei anamnestisch erhobener Depression bei Frauen nach dem Vorhandensein einer Hormonspirale zu fragen, ein Rat, der unseres Wissen nach, zu selten befolgt wird.

Die Gesundheit wird zunächst nicht beeinträchtigt, vielfach aber das Wohlbefinden

Was wir und andere Therapeuten relativ häufig beobachten sind depressive Verstimmungen, Stimmungsschwankungen, die nach Einsetzen der Hormonspirale einsetzen. Viele Frauen berichten, dass sie sich unwohl und in ihrem subjektiven Frau- Sein gestört fühlen. Beobachtbare Veränderungen am Körper, wie etwa Haarausfall und Gewichtszunahme können für Verunsicherung sorgen. Nebenwirkungen wie Kopfschmerzen und Migräne können zudem dem Konsum weiterer Medikamente nach sich ziehen.
Besonders kritisch sehen wir die psychischen Nebenwirkungen: Diese können einen erheblichen Einschnitt in die Lebensqualität darstellen, die Erfahrung zeigt außerdem, dass gerade diese meist nicht als Nebenwirkungen erkannt und Frauen oft mit diesen allein gelassen werden.

Fazit

Die Hormonspirale ist zweifelsfrei ein sehr effektives Verhütungsmittel, es stellt aber einen größeren Eingriff in den Körper dar, als den meisten Frauen bewusst ist. Das in der Spirale enthaltene Levonorgestrel (ein synthetisches Progesteron) führt nicht nur zu einer Veränderung im weiblichen Progesteronhaushalt, sondern offensichtlich auch im Haushalt andere Hormone und im weiblichen Stoffwechselgeschehen.
Wir raten Frauen, die sich mit dem Gedanken tragen, eine Hormonspirale als Verhütungsmittel zu verwenden, sich neben den Vorteilen auch mit möglichen Nachteilen auseinanderzusetzen. Bestehen unklare Beschwerden, die in Zusammenhang mit einer bereits eingesetzten Hormonspirale stehen können, kann eine Herausnahme derselben mit einem Umstieg auf andere Verhütungsmethoden eine sinnvolle Maßnahme für die eigenen Gesundheit und das Wohlbefinden sein.

Sebastian Vigl

 

Ich wünsche Ihnen alles Gute für Ihre Gesundheit,

Heilpraktiker Vigl

 
Allgemeiner Hinweis zu unseren Artikeln: Wir weisen Sie vorsorglich darauf hin, dass die Beiträge in unserem Blog nicht dazu genutzt werden können, Krankheiten selbst zu erkennen oder zu therapieren. Hinweise und Tipps, die Sie auf unserer Seite finden, ersetzen keine fachkundige Diagnose und Behandlung. 

 

 

Quellennachweise

(1) Quelle abrufbar unter: https://healthcare.bayer.de/html/pdf/presse/de/publikationen/Mirena-Anw-broschuere_Okt08.pdf
(2) Weblink: http://www.meine-verhuetung.de/verhuetung/gaengigste-methoden/hormonspirale-3-jahre/
(3) Weblink: http://www.hormonspirale-forum.de/
(4) Weblink: http://www.fgz.co.at/index.php?id=206
(5) Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA ) (http://www.familienplanung.de/index.php?id=321)
(6) Paterson H, Clifton J, Miller D, Ashton J, Harrison-Woolrych M. Hair loss with use of the levonorgestrel intrauterine device. Contraception. 2007 Oct;76(4):306-9. Epub 2007 Aug 28. PubMed PMID: 17900442.
(7) Beipacktext Mirena (Stand Mai 2007), abrufbar unter: (http://www.fgz.co.at/fileadmin/hochgeladene_dateien/bilder/themen/Verh_tung/FI_Mirena.pdf)
(8) Beipacktext Mirena (Stand August 2013), abrufbar unter: http://www.jenapharm.de/unternehmen/praeparate/gebrauchsinfo/mirena.pdf
(9) Hardeman J, Weiss BD. Intrauterine devices: an update. Am Fam Physician. 2014 Mar 15;89(6):445-50. Review. PubMed PMID: 24695563.
(10) Yang KY, Kim YS, Ji YI, Jung MH. Changes in bone mineral density of users of
the levonorgestrel-releasing intrauterine system. J Nippon Med Sch. 2012;79(3):190-4. PubMed PMID: 22791119.
(11) Dal’Ava N, Bahamondes L, Bahamondes MV, de Oliveira Santos A, Monteiro I. Body weight and composition in users of levonorgestrel-releasing intrauterine system. Contraception. 2012 Oct;86(4):350-3. doi: 10.1016/j.contraception.2012.01.017. Epub 2012 Mar 23. PubMed PMID: 22445431.
(12) Wiegratz I, Kutschera E, Lee JH, Moore C, Mellinger U, Winkler UH, Kuhl H. Effect of four oral contraceptives on thyroid hormones, adrenal and blood pressure parameters. Contraception. 2003 May;67(5):361-6. PubMed PMID: 12742558.
(13) Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft: Risiken der Uterusperforation und Expulsion von Mirena®, einem Levonorgestrel-haltigen Intrauterinpessar. Dtsch Arztebl 2002; 99: A 3286–7. (http://www.akdae.de/Arzneimittelsicherheit/Bekanntgaben/Archiv/2002/Mirena.html)
(14) Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft: Psychiatrische Erkrankungen als unerwünschte Arzneimittelwirkung von Mirena® (http://www.akdae.de/Arzneimittelsicherheit/Bekanntgaben/Archiv/2009/20090501.html)

Bildnachweise

(B1)By Robert McDonald (Flickr: Belly girl) [CC-BY-2.0], via Wikimedia Commons
(B2) By Hic et nunc (Own work) [Public domain], via Wikimedia Commons

 

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