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FODMAPs bei Reizdarm: Wissenschaft fordert Personalisierung statt Verzicht

Was hilft wirklich? Die Verunsicherung von Betroffenen

Das Reizdarmsyndrom (RDS) ist eine herausfodernde Diagnose. Für Betroffene bedeutet sie oft eine jahrelange Unsicherheit: Der Bauch spannt nach jeder Mahlzeit, grummelt oder schmerzt, ist der Leidensdruck enorm, die Ursachen liegen hingegen oft im Ungewissen, die Therapieansätze sind leider oft unzureichend. Die Ernährung spielt bei der Therapie von Reizdarm zwar eine wichtige Rolle, doch die Ratschläge widersprachen sich oft und sorgten für noch mehr Verunsicherung.

In den letzte Jahren haben wissenschaftliche Studien jedoch für mehr Klarheit gesorgt. Eine 2025 veröffentlichte Publikation hat die bisherige Datenlage gründlich analysiert. (1) In diesem Beitrag werfen wir einen Blick auf die Ergebnisse der Studie. Sie kommt zum Schluss, dass besonders die Low-FODMAP-Diät hilfreich sein kann, die heute unter anderem nicht nur bei Reizdarm, sondern auch bei der Therapie von SIBO (Fehlbesiedlung des Dünndarms) empfohlen wird.

Was genau sind eigentlich FODMAPs?

Noch einmal kurz zur Auffrischung: Die Bezeichnung FODMAP steht für eine Gruppe von kurzkettigen Kohlenhydraten und Zuckeralkoholen, die von unserem Dünndarm schlecht aufgenommen werden. Die Abkürzung steht für:

  • Fermentierbare
  • Oligosaccharide (z. B. Weizen, Zwiebeln, Hülsenfrüchte)
  • Disaccharide (Laktose)
  • Monosaccharide (Fruktose in zu hohen Mengen)
  • And
  • Polyole (Zuckerersatzstoffe wie Sorbit oder Xylit)

Diese Kohlenhydrate können also im Dünndarm nicht aufgenommen werden und wandern unverändert in den Dickdarm. Dort ziehen sie Wasser an (das verflüssigt den Stuhl und kann Durchfall auslösen) und werden von Bakterien fermentiert, wobei Gase entstehen. Bei Gesunden zeigt das meist keine oder nur geringe Symptome. Bei Reizdarm ist der Darm jedoch sehr empfindlich. Der Bauch meldet sich mit Blähungen, Schmerzen und veränderte Stuhlgewohnheiten. (2) Die Low-FODMAP-Diät zielt darauf ab, diese Substanzen für eine begrenzte Zeit zu reduzieren, um den Darm zu beruhigen.

Die bisherige klinische Forschung

Für die Publikation „Efficacy of dietary interventions in irritable bowel syndrome: a systematic review and network meta-analysis“ haben die Autoren die Ergebnisse von 28 klinischen Studien der letzten Jahrzehnte mit insgesamt 2338 Probanden ausgewertet und miteinander verglichen. Ziel war es, den möglichen Nutzen der Low-FODMAP-Diät und anderen Ernährungsempfehlungen bei Reizdarm zu ergründen. Drei Erkenntnisse der Auswertung fanden wir besonders interessant:

Erstens belegt die Publikation, dass Ernährung ein wirksamer Bestandteil der Reizdarm-Therapie ist. Gezielte Ernährungseingriffe bei Reizdarm funktionieren signifikant besser als gar keine Intervention oder eine beliebige Standarddiät.

Zweitens: Die Low-FODMAP-Diät ist effektiv. Die Low-FODMAP-Diät schneidet in dieser Publiktaion gut ab, sie zeigt sich insbesondere bei der Linderung von Blähungen und Bauchschmerzen wirksam. Die Analyse zeigt jedoch auch, dass auch andere ernährungstherapeutische Ansätze wie eine angepasste, ausgewogene Ernährung Erfolge erzielen können.

Die dritte Erkenntnis: Die Personalisierung ist entscheidend. Die Autorin betonen, dass es keinen Sinn macht, ein starres Ernährungsschema dauerhaft einzuhalten. Die Wirksamkeit einer Diät bei Reizdam sei am höchsten, wenn die Diät sinnvoll und individuell auf die Betroffenen abgestimmt und therapeutisch begleitet wird. (1)

Warum die „Low-FODMAP-Diät“ kein Dauerzustand sein sollte

Eine Low-FODMAP-Diät ist ein therapeutisches Werkzeug, jedoch kein dauerhafter Lebensstil. Wer die Zufuhr von FODMAPs über einen längeren Zeitraum hinweg einschränkt, riskiert eine Verarmung Ihres Mikrobioms, die zu einer Dysbiose der Darmflora führen kann. Viele FODMAP-reiche Lebensmittel (wie Zwiebeln oder Knoblauch) sind nämlich gleichzeitig wichtige Präbiotika, das heißt sie fördern die Gesundheit und Diverisität unserer Darmflora.

Unser Fazit

Die Erkenntnisse der besprochenen Publikation fassen wir folgendermaßen zusammen:

Die Ernährungstherapie bei Reizdarm, insbesondere die Low-FODMAP-Diät ist eine hochwirksame medizinische Intervention bei Reizdarm, die aber nicht im Alleingang ausprobiert werden sollte. Insbeondere ist es wichtig, dass die Diagnose Reizdarm nicht selbst, sondern von einer spezialisierten Praxis diagnostiziert wird. Bevor damit begonnen wird, FODMAPs aus dem Speiseplan zu streichen, muss sicher gestellt werden, dass keine anderen organischen Erkrankungen des Darms vorliegen.

Auch wichtig: Die Durchführung einer Low-FODMAP-Diät ist komplex und sollte unter einer professionellen Begleitung erfolgen. Die Studie unterstreicht, dass die Anleitung durch qualifizierte Therapeuten die Erfolgsraten signifikant verbessert und Nebenwirkungen wie einseitiger Ernährung oder Mineralstoffmangel verhindern kann. Eine professionelle Begleitung kann die Dauer und Intensität der Diät zudem individuell anpassen. So machen wir das auch in unserer Praxis. Wir raten nicht zu einem allgemeinen Verzicht, sondern nutzen die aktuelle Evidenz, um den Darm systematisch zu entlasten und anschließend Schritt für Schritt wieder zu einer genussvollen und verträglichen Ernährung zurückzufinden.

 

Quellenangabe

(1) Cuffe MS, Staudacher HM, Aziz I, Adame EC, Krieger-Grubel C, Madrid AM, Ohlsson B, Black CJ, Ford AC. Efficacy of dietary interventions in irritable bowel syndrome: a systematic review and network meta-analysis. Lancet Gastroenterol Hepatol. 2025 Jun;10(6):520-536

(2) Daley SF, Syed K, Goldin J. The Low-FODMAP Diet in Clinical Practice: Evidence-Based Indications, Implementation, and Interprofessional Care. 2026 Jan 31. In: StatPearls [Internet]. Treasure Island (FL): StatPearls Publishing; 2026 Jan

Titelbild: Bild von NomeVisualizzato auf Pixabay

Bild 2 von Michal Jarmoluk auf Pixabay

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