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Die Entwicklung zum Robiniendickicht.
Brache Stresemannstraße Ecke Hedemannstraße

Lageplan der Brache

Die Brache (Grafik: schraffierter Bereich) liegt in einem Dreieck gebildet aus der Stresemann-, der Halleschen- und der Möckernstraße. Der größte Teil dieser Fläche nimmt ein Parkplatz ein, ferner finden sich hier eine Großbaustelle und das Holiday INN. Im Gebiet des Parkplatzes findet sich eine große Eiche (Grafik: rundes Zeichen im unteren Abschnitt des Dreieckes), die beinahe den Mittelpunkt des beschriebenen Dreieckes einnimmt. Das Brachengelände grenzt mit der Längseite an den Gehsteig der Stresemannstraße und ist mit einem Bauzaun umstellt. An der gegenüberliegenden Längseite finden sich zwei Öffnungen im
Bauzaun, von welchem aus mäßig betretene Trittpfade in das Innere führen. Die Brache scheint jedoch durch die Umzäunung von stetem Publikum weitgehend verschont geblieben zu sein, weshalb sich hier die Ausbildung einer waldähnlichen bis waldhaften Flora zeigt.

Die jetzige Ausbildung der Brache ist nur der Restbestand einer viel größeren Brachlandschaft, der den gesamten Raum einschließt, der jetzt vom Parkplatz eingenommen wird. Einem Anrainern zufolge hatte sich auf dem ehemals großen Brachengelände ein Teich gebildet, umsäumt von Wildwuchs und natürlichem Baumbestand. Auf dem Teich hatte sich eine Entenpopulation niedergelassen, auch seltene Hirschhornkäfer wurden gesichtet. Dies war das Bild, das die Brache Anfang der 90er Jahre des letzten Jahrhunderts bot.
Am heutigen Tage lassen sich noch zahlreiche Wildkaninchen ausmachen, deren Präsenz in Park und auf Brachflächen typisch für Berlin sind. (1). Des weiteren Dienen innerstädtische Brachflächen als wichtiger Lebens- und Nahrungsraum für die innerstädtische Vogelwelt. (4)

Pioniergehölze im südlichen Teil. November 2011

Anhand des Baumbestandes lässt sich die Brache grob in 2 Bereiche aufteilen: Der nördliche Teil ist dominiert von einem teilweise sehr dichten Dickicht von Robinia pseudoacacia mit den Begleitern Urtica dioica, Clematis vitalba, der Südteil weist einen lockeren, teilweisen gelichteten Mix aus Populus alba (unweit der Brache befindet sich der Landwehrkanal, ab dem viele ältere Exemplare stehen), Populus trichocarpa (?) und Populus nigra, Salix caprea, Salix purpurea(?), Buddleja Davidii und vereinzelt Robinia pseudoacacia. An den lichten Stellen finden sich krautige Staudenvegetation mit Artemisia millefolium, Tanacetum officinale, Senecio inaequidens. (2)
Die unterschiedliche Ausbildung des Baumwuchses ist dem Umstand geschuldet, dass der südliche Teil vor Jahren vom Baumbestand befreit wurde, um dann erneut  zuzuwachsen. Wir finden im südlichen Teil also ein Waldregenerationsstadium mit zahlreichen Pioniergehölzen, Staudenvegetation, einjährigen Kräutern und einen asphaltierten Bereich begrünt von Trittpflanzengesellschaften.

Durch die Öffnungen im Bauzahn gelangt man auf angedeutete Trttpfade, welche bisweilen von Hundebesitzern begangen werden. Infolge der relativ geschützten Lage hat sich eine natürliche Sukzession der Flora in Richtung Waldbildung hin vollzogen. Charakteristisch für Berlin kam es hierbei zur Ausbildung eines quasi konkurrenzlosen Robinienbestandes. Bemerkenswert ist hierbei das Fehlen von Ailanthus altissima (fehlende Wärmereflektion aufgrund fehlender Bebauung?) auf dem Gelände. Der nächste geschlossene Robinienbestand findet sich Wilhelmstraße Ecke Anhalter Straße auf dem Grundstück auf dem Gelände der Stiftung Topografie des Terrors.

Reichlich Fruchtbildung an Robinia pseudoacacia

Die Robinie stammt aus Nordamerika. In den dortigen Appalachen nennt man sie auch den „Katastrophenbaum“ da sie als Pionier nach Störungen wie Feuer, Tornados, Kahlschlag die Waldregeneration einleitet. Später wird sie dort von anderen Bäumen wieder vertrieben. 1670 ist sie zum ersten Mal in Berlin gepflanzt und kümmert sich freiwachsend seither um „berliner Katastrophen“ (Freiraumentstehung im Verlaufe des Weiltkrieges, des Mauerbaus). Auf mageren Böden vermag die Robinie durch symbiontische Stickstoffbindung anspruchsvolleren Arten, wie auch dem Holunder und anderen nitrophilen Pflanzen den Boden zu bereiten. Robinienbestände werden sehr gerne von Vögeln aufgesucht. Massstab hierfür ist die Anzahl der durch Vögel verbreiteten Gehölze im Bestand.
Man vermutet, dass Robinienbestände ohne menschliches Zutun über Jahrzehnte von Buchen abgelöst würden. Klassisch für einen Pionierbaum ist die reichliche Fruchtbildung. (3)

Vertreter aus der Gattung der Weiden, vor allem Salix Caprea, sind durchaus übliche Bewohner der Berliner Brachenbiotope. Insbesondere Pappeln zeigen sich durch ihr schnelles Wachstum und ihr Samenreichtum als erfolreicher Pionierbaum. (4)
Pappelblätter, welche leicht vom Wind ergriffen werden, ähnlich der Birke, wedeln bei leichten Luftstoss. Durch diese rasche Ergriffenheit wird das Blatt gekühlt, die Verdunstung gefördert und somit der Wasserzustrom aus den Wurzeln mit der im Wasser gelösten Nährstoffen beschleunigt. Außerdem gelangt durch das Rascheln der Blätter mehr Licht in die Krone. Beides führt schließlich zu einem rascheren Wachstum. Genauso wie Birke, Buche und Linde weist die Pappel eine zerstreutporige Holzstruktur auf. Im Gegensatz zu den ringporigen Bäumen, bei denen die Wasserleitfähigkeit nur im jüngsten Bereich des Jahresringes
erfolgt, der erst gebildet werden muss, nutzt die Pappel den gesamten Jahresring für den Wassertransport und treibt somit im Frühjahr früher aus.

(1) Berlin.de. Das Wildkaninchen im Stadtgebiet Berlin
(2) Rothmaler. Exkursionflora.
(3) Kowarik Ingo. Biologische Invasionen. Neophyten und Neozoen in Europa.
(4) Wittig Rüdiger. Siedlungsvegetation.

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