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Die wilden Kerle vom Kreuzberg- Nitrophile (Stickstoffliebende) Arzneipflanzen im Stadtbild. Alte und neue Ansätze bei Zivilisationskrankheiten

Altes Heilmittel bei Gicht und Hyperurikämie: Der Gicht

So manch ein Städter übt sich in ungesunder Ernährungsweise. Hastiges Essen mit niedrigem Nährwert, geschmacksintensiv und doch arm an Vitalstoffen. Das Überangebot an raffinierten Zuckerstoffen, Eiweißen und minderwertigen Fetten führt zu einer starken Belastung des Organismus. Eine permanente Überernährung schädigt zusammen mit mangelnder Bewegung sensible Stoffwechselvorgänge und fördert die Entwicklung des metabolischen Syndroms. Hierzu zählen die klassischen Zivilisationserkrankungen wie Bluthochdruck, Diabetes, Adipositas, Gicht, Fettstoffwechselerkrankungen mit erhöhtem Risiko der Arteriosklerose und der koronaren Herzkrankheit.

Überfluss macht krank. Nicht nur Menschen, sondern auch Pflanzen sind mit diesem Problem konfrontiert. Es haben sich pflanzliche Spezialisten gefunden, welche in Überdüngung, sprich Überernährung gedeihen können. Gerade unter ihnen finden sich zahlreiche Therapeutika für die Folgen übermäßiger Ernährung und ungesunder Lebensweise.

Pflanzen des Überflusses

Die meisten Pflanzen, die sich im urbanen Raum wiederfinden, leben ebenfalls im Überfluss. Das Überangebot an Nährstoffen, allen voran an Stickstoff fördert das Auftreten einer gewissen Gruppe an Pflanzen, unter denen sich auch etliche Heilkräuter befinden. Viele Wildkräuter und Heilpflanzen im urbanen Raum sind Zeigerpflanzen, das heißt ihre Anwesenheit gibt Aufschluss über die Art des Bodens, aus dem sie sprießen. Denn ein jedes Kraut hat so seine Vorlieben. Löwenzahn zum Beispiel liebt es, sich mit seiner kräftigen Wurzel in verdichtete Böden hinein zu bohren, die durch Trittbelastungen verfestigt werden. Ebenso kann er mit Stickstoff sehr gut umgehen. Weitere nitrophile Pflanzen, die also stickstoffhaltige Boden vorziehen, sind im urbanen Raum vor allem Brennessel, Vogelmieren, Taubnessel, Zaungiersch, Wiesenkerbel, Gundermann, Wegerich, Labkräuter, die wilde Malve, Knoblauchrauke, Beifuss, Herzgespann, des weiteren Holunder, der Götterbaum und die Robinie. (1)

Die Blüte der Klette an einer Stickstoffflur

Durch biologische Fixierung (Knöllchenbakterien der Leguminosen) und die Ablagerung von organischer Substanz (Pflanzenrückstände, Tierdüngung, Abfälle) kommt der Stickstoff in den Boden. Durch die Verdauungstätigkeit des Bodens wird er mineralisiert und liegt dann zumeist als Ammoniak oder Nitrat im Boden vor, welche die Pflanze nun aufnehmen kann. Ausschließlich den Pflanzen ist es vorbehalten, diese Bodenspeicherformen des Stickstoffes reduzieren zu können und ihn somit biologischen Bildungen zur Verfügung zu stellen. Stickstoff wird im Pflanzenorganismus dazu benötigt, Aminosäure und Eiweiße als auch sekundäre Pflanzeninhaltsstoffe aufzubauen und fördert dessen Wachstum und sorgt für reiche Bildung von Früchten. Stickstoff gibt den Pflanzen eine satte, dunkelgrüne Farbe. Fehlt der Pflanze der Stickstoff, so wird sie kümmerlich, ihre Blätter gilben rasch, die Blüte erscheint verfrüht (die sogenannte Notblühte), ein zuviel an Stickstoff äußert sich in übermäßigem Wachstum mit teilweise fehlender Blüte. Genauso wie dem Menschen schadet auch der Pflanze die Überfütterung.

Stickstoff als Heilmittel

Stickstoff gilt im Körper bei verschiedenen Erkrankungen als Heilmittel. Gewisse stickstoffhaltige Eiweiße, wie z. B. Arginin sorgen durch die Freisetzung von Stickstoffmonoxyd für eine periphere Gefäßerweiterung und werden therapeutisch bei vasaler Impotenz, arteriellen Durchblutungsstörungen und Herzenge verwendet. Argininhaltige Medikamente und Pflanzen werden eingesetzt bei Potenzstörungen, Arteriosklerose, Nierenfunktionsstörungen, bei diabetischen Schäden, bei Bluthochdruck und der Schaufensterkrankheit. Arginin findet sich u.a. in der Brennessel, im Bockshornklee, im Schwarzkümmel, in der Luzerne, im Bocksdorn, in der Topinamburknolle, in der Möhre, im Hirtentäschel, in den verschiedenen Lauchsorten und in der Klette.
Schulmedizinisch gesehen ist bei Angina Pectoris die rasche Applikation von Nitroglycerin die erste Wahl, der stickstoffhaltige explosive Stoff sorgt für rasche Gefäßerweiterung im Notfall.

Das aromatische Dreiblatt des Giersches

Stickstoffliebende Pflanzen als Heilmittel

Unter den nitrophilen Arzneipflanzen finden sich zahlreiche Lebertherapeutika. Denn gerade die Leber ist ein zentrales Organ im menschlichen Stickstoffkreislauf. Giftiges Ammoniak, das andauernd im Eiweißstoffwechsel anfällt, muss rasch eliminiert werden und wird in der Leber in Harnstoff übergeführt. Gerät diese Funktion außer Kontrolle, drohen schwere Ammoniakvergiftungen. Eine latente Belastung mit Ammoniak zeigt sich durch chronische Müdigkeit und Unlust, mangelnden Appetit und nachlassenden geistigen Fähigkeiten. Löwenzahn z. B. wirkt erwiesenermaßen hepatoprotektiv, senkt überhöhte Blutfettwerte und fördert die Regeneration des Lebergewebes (2) und stärkt dessen entgiftende Funktion. Im Rahmen der Phytotherapie zählt Löwenzahn zu den wichtigen Therapeutika des metabolischen Syndroms (3).
Weitere nitrophile Heilpflanzen sind bei der Therapie des metabolischen Syndroms in seiner vielfältigen Ausgestaltung angezeigt, insofern also bei Diabetes und diabetischer Polyneuropathie (4) (5) (6), bei Arteriosklerose (7), bei Gicht, bei hohem Blutdruck und Herzaffektionen (8) (9). Des weiteren findet sich unter ihnen eine große Zahl von Heilfpflanzen, welche sich als Therapeutika des rheumatischen Formenkreises verdient machen: Allen voran die Brennessel (10) (11), der Giersch, der Löwenzahn (12) und die Klette (13), welche auch in der biologischen Schilddrüsentherapie eingesetzt wird, lindern und therapieren ursächlich Schmerz- und Entzündungsprozesse im Bindegewebe des Bewegungsapparates und der Haut. 

Die passende Heilpflanze für Erkrankungen ist meist die naheliegende. Dazu zählen in der modernen Phytotherapie auch die nitrophilen Arzneipflanzen, wie wir sie im urbanen Raum sehen können. Sollten Sie Fragen dazu haben, können Sie mich gerne kontaktieren.

Verwendete Literatur und weiterführende Links
(1) Dietmar Brandes. Standort Stickstoff. Nitrophytenvegetation in Europa
(2) Mahesh A Leberkurierender Effekt von Löwenzahn (englisch)
(3) Ung-Kyu Choi. Cholesterinsenkender Effekt der Löwenzahnwurzel (englisch)
(4) Ciocoiu M et al Holunderbeeren und oxydativer Stress im Rahmen eines Diabetes mellitus (englisch)
(5) Swanston-Flatt SK et al Effekte auf den Blutzucker mit traditioneller europäischer Phytotherapie (englisch)

(6) Christoph Sohr Oxidativer Stress bei diabetischer Neuropathie
(7) Namazi N et al Brennnesselauszug als mögliches Prophylaktikum vor Gefäßschäden durch oxydativen Stress (englisch)

(8) Legssyer A et al Kardiovaskuläre Effekte der Brennnessel (englisch)
(9) Shikov AN et al Effekte von Herzgespann auf hohen Blutdruck und nervöser Unruhe (englisch)
(10) Riehemann K et al. Entzündungshemmende Wirkung der Brennnessel bei rheumatoider Arthritis (englisch)
(11) Randall C et al. Brennnessel bei chronischen Knieschmerzen (englisch)
(12) Jeon HJ et al. Antientzündliche Wirkung des Löwenzahnes (englisch)
(13) Sohn EH et al. Antientzündliche und antiallergische Wirkung der Klette (englisch)

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