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Warum eine Fehlbesiedlung des Dünndarms behandelt werden sollte

Bei einer Fehlbesiedlung des Dünndarms (englisch: SIBO = Small Intestinal Bowel Overgrowth) kommt es zu einer übermäßigen Zunahme der Bakterienzahl und Veränderung in der Darmflora im Dünndarm. Hierfür sind meist Bakterien verantwortlich, die im Dickdarm leben und aufgrund verschiedener Ursachen den Dünndarm besiedeln. SIBO geht mit dem Auftreten von Magen-Darm-Beschwerden einher und kann große Probleme verursachen. Dazu zählen auch Immunschwäche und Mangelernährung. Die bakterielle Fehlbesiedlung des Dünndarms kann zu Fettstuhl (Steatorrhoe), einer Beeinträchtigung der Vitamin-B12-Aufnahme und auch zu einer Schädigung der Dünndarm-Schleimhaut, die die Nahrungsaufnahme beeinträchtigen kann, führen. SIBO kann zudem wahrscheinlich auch Auswirkungen auf den Stoffwechsel des zentralen Nervensystems haben und wird als ein häufige Ursache bei Reizdarm diskutiert. (1)
Die Diagnose von SIBO erfolgt mittels eines Atemtests, den Betroffene auch in unserer Praxis erhalten können.

Alternative Therapieformen bei SIBO kombinieren

Aufgrund der verschiedenen Beeinträchtigungen, zu denen ein SIBO führen kann, wird nach effektiven Therapiemöglichkeiten gesucht. Um die ungewünschte Bakterien aus dem Dünndarm zu vertreiben, werden bisweilen Antibiotika wie das Breitbandantibiotikum Rifaximin eingesetzt. Deren Einnahme geht jedoch oft mit Nebenwirkungen einher und kann eine sich im Ungleichgewicht befindende Darmflora zusätzlich aus der Balance bringen. Entsprechend hoch ist das Interesse an alternativen Behandlungsmöglichkeiten. Eine Auswertung aus dem Jahr 2021 zeigt, dass in Studien und Praxis drei Ansätze vor allem verfolgt werden:

1. Ernährungsrichtlinien
2. Probiotische Therapie
3. Pflanzenheilkunde. (2)

Ernährungsrichtlinien zielen darauf ab, unliebsame Bakterien auszuhungern, Pflanzenheilkunde soll sie mit antibiotischen Pflanzenstoffen eliminieren. Der Einsatz von Probiotika setzt auf bakterielle Verdrängung: Nützliche probiotische Bakterien sollen den unliebsamen den Platz streitig und das Milieu für sie ungünstig machen.
Insgesamt acht klinische Studien sind zu diesen drei therapeutischen Ansätzen veröffentlicht, wobei diese Ansätze in den Studien immer getrennt voneinander untersucht werden. Die Studien zeigen einige Erfolge, doch scheint es vielversprechender, alle drei Therapieformen zu kombinieren. Diesen Ansatz verfolgen auch wir in unserer Praxis und kombinieren bei SIBO den Einsatz von Probiotika, Phytotherapie und Ernährungshinweise.

Nützen Probiotika bei SIBO? Hinweise aus Forschung und Praxis

Probiotikische Bakterien können die epitheliale Barrierefunktion der Darmschleimhaut verbessern, das Immunsystem modulieren und ungünstige Bakterienstämme vertreiben. Eine erste 2014 veröffentlichte Studie zeigte, dass der gezielte Einsatz geeigneter Probiotika auch bei SIBO hilfreich sein kann. Bei den Probanden, die bei dieser Studie Probiotika mit spezielle Laktobazillen einnahmen, verbesserte sich der Atemtest und Beschwerden wie Blähungen und Durchfall. (3)

Phytotherapie gleich erfolgreich wie ein Antibiotikum? Ergebnisse einer amerikanischen Studie

In einer 2014 veröffentlichte Studie verglich ein Forschungsteam der Universität Pittsburgh den Effekt des Antibiotikums Rifaximin mit dem einer Pflanzenmischung bei Menschen mit SIBO. Mit guten Ergebnissen. Das Fazit der Studie: „Pflanzliche Therapien sind bei der Behandlung von SIBO mindestens genauso wirksam wie Rifaximin. Auch bei der SIBO-Therapie bei Menschen, bei denen Rifaximin keine Erfolge zeigt, scheinen pflanzliche Arzneimittel ebenso wirksam zu sein wie eine Dreifach-Antibiotikatherapie.“ (4) Die Aussagekraft der Studie ist trotz der hohen Anzahl an Teilnehmenden (396) limitiert, weshalb weitere Untersuchungen notwendig sind, um die Ergebnisse zu validieren.
Trotzdem sind Arzneipflanzen und pflanzliche Arzneimittel bei vielen naturheilkundlich orientierten Therapeuten ein fester Bestandteil der SIBO-Therapie.
Wir kombinieren unterschiedliche Arzneipflanzen, von denen einige auch in der obigen Studie Anwendung fanden. Diese Heilpflanzen wirken nicht nur direkt antibiotisch gegenüber unerwünschten Keimen, sondern hemmen auch die Bildung von Biofilmen. Biofilme sind schleimartige „Schutzschilde“ mit denen Bakterienkolonien antibiotische Wirkstoffe abwehren können.

Mit einer SIBO-Diät den Darmkeimen die Nahrung entziehen

Um im Dünndarm überleben zu können, brauchen die „SIBO-Keime“ bestimmte Kohlenhydratverbindungen. Ziel von SIBO-Diäten ist es, den unerwünschten Bakterien ihre Nahrung zu entziehen. Solche Maßnahmen sollten individuell auf den Ernährungszustand und individuelle Gewohnheiten abgestimmt sein. (5) Diese individuellen Gegebenheiten berücksichtigen wir in der Praxis.

Die Dreier-Kombination gegen SIBO

Aushungern, verdrängen und eliminieren: diese Wirkkombination verspricht die Verbindung von drei der aussichtsreichsten Ansätzen bei einer Fehlbesiedlung des Dünndarms. Dafür setzen wir in unserer Praxis Probiotika, Arzneidrogen und individuelle Ernährungshinweise ein, um nicht nur der akuten Fehlbesiedlung, sondern auch einem möglichen Rezidiv entgegenzuwirken.

Quellennachweis:

(1) Ponziani FR, Gerardi V, Gasbarrini A. Diagnosis and treatment of small intestinal bacterial overgrowth. Expert Rev Gastroenterol Hepatol. 2016;10(2):215-27
(2) Nickles MA, Hasan A, Shakhbazova A, Wright S, Chambers CJ, Sivamani RK. Alternative Treatment Approaches to Small Intestinal Bacterial Overgrowth: A Systematic Review. J Altern Complement Med. 2021 Feb;27(2):108-119
(3) Khalighi AR, Khalighi MR, Behdani R, Jamali J, Khosravi A, Kouhestani Sh, Radmanesh H, Esmaeelzadeh S, Khalighi N. Evaluating the efficacy of probiotic on treatment in patients with small intestinal bacterial overgrowth (SIBO)–a pilot study. Indian J Med Res. 2014 Nov;140(5):604-8
(4) Chedid V, Dhalla S, Clarke JO, Roland BC, Dunbar KB, Koh J, Justino E, Tomakin E, Mullin GE. Herbal therapy is equivalent to rifaximin for the treatment of small intestinal bacterial overgrowth. Glob Adv Health Med. 2014 May;3(3):16-24
(5) Adike A, DiBaise JK. Small Intestinal Bacterial Overgrowth: Nutritional Implications, Diagnosis, and Management. Gastroenterol Clin North Am. 2018 Mar;47(1):193-208

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