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Heilpraktiker Wanitschek & Vigl Berlin, Nansenstraße 31, 12047, Berlin - Telefon: 030/20865594

Frühlingsbringer und Pionierpflanzen
Es ist wieder März. Die Luft ist belebt: Elektrisiert vom spriessenden Leben, vom Drang der Organismen durchpulst, zu wachsen, sich zu vermehren. Die Knospen der Pflanzen öffnen sich scheinbar lautlos, doch gleicht das Ereignis am ehesten einem ohrenbetäubenden Knall. Doch ist hie und da noch Winter. An manchen Stellen scheint das Leben noch zu ruhen, der Stoffwechsel ist noch verlangsamt und noch nicht von der Wärme der zunehmenden Sonne befeuert. Und auch in uns scheint es diese Stellen zu geben, an denen der Frühling nur verzögert Einzug hält, in uns scheint es manchmal noch Winter zu sein, wenn um uns das Leben erblüht. Themen, die in der naturheilkundlichen Praxis nun vermehrt eine Rolle spielen sind: Allergien, hormonelle Dysbalancen, Müdigkeit und Verstimmung, kardiovaskuläre Belastungen.
Es gibt eine Reihe von Pflanzen, die uns teilhaben lassen an der frischen Energie des jungen Jahres, die die alten Schlacken des Winters von uns weisen, unsere Gelenke ölen, unsere Sinne und Gedanken geschmeidig werden lassen, die Gewebe öffnen. Welche diese Pflanzen sein können, lässt sich in der Stadt sehr gut demonstrieren.

Die Ruderalstandorte
Im urbanen Raum, besonders in einer Stadt mit einer solch bewegten Geschichte wie Berlin finden sich eine Reihe von ruderalen Standorten. Dies sind Lebensräume, die vom Menschen tiefgreifend geprägt wurden bis hin zur Zerstörung der vorherigen Vegetation. Es scheinen lebensfremde Orte: Schuttplätze, Ödland, staubige Halden und feuchtnasse Gräben. Pflanzen, die die Energie aufbringen können, solchen Orten das Leben wieder zu bringen, sind bestens dazu geeignet, auch in uns das Leben zu wecken nach Monaten der
scheinbaren Winterstarre. 
Zu den Erstbesiedler der sogenannten ruderalen Flächen zählen verschiedene Pionierpflanzen. Sie zeichnen sich durch folgende Gemeinsamkeiten aus: Sie verfügen über eine starke Vermehrungstendenz, sind relativ schnelllebig, kommen mit Extremen wie Wassermangel und -überschuss, Nährstoffknappheit, niederen
Temperaturen gut zurecht. Ihre Samen sind meist zahlreich und werden vom Wind, bisweilen von Vögeln verbreitet. Sie sind biegsam und flexibel genug für ein exponiertes Dasein. Sie zeigen wenig Ansprüche an ihr Umfeld und sprießen rasch und zahlreich. Ihr Wachstum ist meist sehr schnell, jedoch werden sie nicht
alt. Sie bleiben auch nicht lange an einem Ort, haben sie erstmal eine ruderale Fläche belebt, machen sie auch schon Platz für nachkommende Sukzessionsflora. Dies alles macht sie zu schnellen flüchtigen Gestalten, die das Leben an einem Ort organisieren, denen es scheinbar verlassen hat. Dies alles macht sie zu Pionieren.

Die Vitalität der Pionierpflanzen am Beispiel der Birke
Die Birke ist der Frühlingsbaum schlechthin und zählt neben der Salweide zu den wichtigsten Pionierbäumen auch im urbanen Raum. Findet sich eine leere Fläche, nicht oder nur spärlich mit Vegetation bedeckt wird sie sich in unseren Breiten alsbald einfinden, sich in weißen Kleide auf die Fläche stellen und sagen: „Ich beginne“.
Die Birke weist einen überaus intensiven Wasserhaushalt auf. Dies ist durch die Leitungsfähigkeit des Stammes als auch die zahlreichen, schnell vom Winde ergriffenen Blätter bedingt. Ihr Rascheln fördert die Verdunstung auf der Blattoberfläche, der so entstehende Sog lässt neues Wasser aus dem Boden nachströmen. Bis zu 1000 Liter kann eine ausgewachsene Birke an einem heißen Tag verdunsten lassen. So kann sie auch Böden aufbereiten, welche sumpfig sind und an denen sich die Nässe staut. Erst dann ist oft eine Besiedlung durch andere Pflanzen möglich. Dann wird die Birke vielleicht schon weg sein. Eine Birke wird nicht sonderlich alt, etwas älter als ein Menschenleben, bis zu 150/ 160 Jahre. Die Rinde der Birke ist glänzend weiß. Damit wird das auftreffende Sonnenlicht reflektiert und die unter der Rinde gelegenen Zellstrukturen vor schädigenden UV- Strahlen geschützt.
Die Birke ist der magische Baum der nördlichen Breiten, ihr Hauptverbreitungsgebiet liegt nördlich der Alpen. Zahllose Bräuche finden sich im Glauben und Aberglauben der Völker, die in diesem Gebiet gesiedelt haben.
Sie ist Sinnbild der Fruchtbarkeit, des Frühjahrstanzes, und der Brautwerbung. Als Baum des Frühlings liefert sie die sogenannte Lebensrute, aus einem Bündel von frischen Birkenzweigen gefertigt. Mit dieser trieb man im Frühjahr das Vieh aus dem Stall, schlug es, damit es nicht krank, sondern gesund sei, dick werde und sich vermehre. Man schlug sich auch gegenseitig den Winter aus den Beinen, eine Lebensrute vor die Tür gehängt sorgt für die Vitalität der Hausbewohner. Trägheit und Unlust verschwinden, der Gebrauch der Lebensrute sorgt für den richtigen Fluss. So ist die Birke eine Baum der Lebendigkeit und wiedererwachenden Lebensfreude, gerade nach schwierigen Phasen. Kranke und Schwache, vom Schmerz geplagte und Sterbende suchten oft den Schutz der Birke und trafen sich unter ihren Ästen zum Gebet. Die Birke hat das Potential zum heiligen und heilenden Baum auch der modernen Gesellschaft. Denn mit ihr verbindet uns die Schnelllebigkeit. Das hohe Maß an Vitalität und Flexibiltät, welches von uns heutzutage verlangt wird, würde die Birke zu einem guten Ratgeber machen. Wir müssen sie nicht an unsere Tür binden, wir müssen auch nicht unbedingt die Birke als Heilmittel einnehmen, unserer Seele jedoch würde bisweilen ein solcher Freund gut tun, wie es die Birke ist. Wie man Freund der Birke wird? Ganz gleich, wie man Freund von Menschen wird: Man geht auf sie zu.

Die Heilweise der Birke. Altbekanntes und hochmodernes.
Birkenblätter sammelt man sinnvollerweise im Frühjahr, wobei man die Blätter aller bei uns vorkommenden Birkenarten verwenden kann. Sie werden anschließend bei Zimmertemperatur getrocknet und kleingeschnitten. Ein Tee aus Birkenblättern schmeckt angenehm süß und lieblich. Er regt die Ausscheidung der wasserlöslichen Schlackenstoffe an, wirkt fiebersenkend und kühlend bei hitzigen Gelenkserkrankungen, bringt neues, frisches Blut zu den Zellen. Die Birke vermag Schmerzzustände bei rheumatischen Erkrankungen zu lindern, ihr Pollen vermag zwar Allergien auszulösen, doch vermögen gerade ihre Blätter, mit heiß Wasser überbrüht und als Tee genossen, das allergische Geschehen zu drosseln. Eine längere Anwendung des Birkentees jedoch empfiehlt sich jedoch nur in Absprache mit einem erfahrenen Therapeuten. Bei einer Steigerung der Diurese ist auf ausreichende Wasserzufuhr und eventuelle Grunderkrankungen zu achten.
Der Birkensaft, der im Frühjahr geerntet wird und in manchen Gegenden der Welt noch regelmäßig getrunken wird gilt als Lebenselixier, er rüttelt an der Manneskraft und an der Kraft der Frau, lässt ausgefallene Haare nachwachsen, gilt als kräftigende Nahrung für Kleinkinder und kranke, alte Menschen.
Wird der ganze Baum nicht sonderlich alt, so ist seine Rinde geradezu unsterblich. Das in der Rinde enthaltene Betulin und die Betulinsäure schützt die Haut und ist bei der Behandlung von Hauttumoren erprobt. Sie gilt in der modernen Forschung als ein vielverprechendes Therapeutikum für die Zukunft und wird jetzt schon bei der naturheilkundlichen Behandlung von Hauterkrankungen und Schmerzzuständen eingesetzt. Das Triterpen Betulin wirkt antientzündlich, antibakteriell, antiviral, hepatoprotektiv, antitumoral, cholesterinsenkend (1).  Die Betulinsäure wirkt hemmend auf den HIV- Virus (2), induziert bei malignen Tumorzellen die natürliche Apoptose, und zwar bei Leukämien (3), bei Tumoren der Haut (4) und des zentralen Nervensystems und verbessert deren schulmedizinischen Therapieerfolge (5).

Die Birke zählt in der Pflanzenheilkunde zu den altbewährten Pflanzen, moderne Anwendung und Forschung machen sie zu einem wichtigen Bestandteil moderner Pflanzenheilkunde.
Die Birke ist ein Baum der strahlenden Schönheit. Von wo sie steht geht ein Strahlen aus. Selbst nachts leuchtet dir ihre helle Rinde entgegen. Wie ein freundliches, einladendes Licht.

– –  Rezeptidee für die ersten warmen Tage – –

Grünes Ayran. Vitalisierendes Erfrischungsgetränk mit frischen Kräutern

500 Gramm Naturjogurth, eine Handvoll frischer Kräuter, Meersalz, ein Spritzer Zitrone, ein halbes Glas Wasser. Alles kurz pürieren und lang genießen!

Hierbei können verschiedene Frühjahrskräuter verwendet werden, unter anderem auch die frischen jungen Blätter der Birke.

Verwendete Quellen und weiterführende Links

(1) Wikipediaartikel Betulin auf Wikipedia
(2) Yu D et al. Betulinsäure als mögliches AIDS Therapeutikum
(3) Höfig Ines Mechanismen der Apoptoseinduktion: Betulinsäure in Kombination mit konventionellen Zytostatika auf Leukämiezellen
(4) Höfig Ines Untersuchungen zur Spezifität der Wirkung von Betulinsäure auf humane epidermale Zellen
(5) Passin Sarina et al. Effekte der Kombination von Betulinsäure und Bestrahlung in Glioblastomzelllinien

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